Hilfsaktion in Herceg Novi, Montenegro

Start und Ansprechpartner

Im Februar 2025 fanden wir mit Zorica Drakulić Vidaković eine gute Ansprechpartnerin für AHC-Projekte in Herceg Novi in Montenegro. Sie ist einst selbst als Waisenkind im Kinderheim aufgewachsen und wurde dann adoptiert. Zorica macht es sich seit Jahrzehnten zur Aufgabe aktive Unterstützung für Bedürftige zu organisieren. Dafür ist sie in der Region sehr bekannt. Nach einem ersten E-Mail-Kontakt bereits im Februar kam es am 25. Mai 2025 zu einem persönlichen Treffen mit ihr.

Dabei wurde klar, dass der Organisationsgrad ihrer kleinen Organisation zwar nicht sehr hoch, dass aber ihre Arbeit – im Sinne des AHC-Satzungszwecks – absolut unterstützenswert ist. Durch ihre Bekanntheit ist sie für viele Hilfsbedürftige – die sonst keine Hilfe annehmen würden – die erste Ansprechpartnerin. Gemeinsam entstand die Idee, zum Schulanfang im Herbst 2025 Schulkinder mit Schul-Taschen und -Materialien zu unterstützen.

Die Vorbereitung

Nach Rücksprache mit dem AHC-Vorstand einigten wir uns darauf, das Projekt in der ersten Septemberwoche gemeinsam mit Zorica vor Ort umzusetzen. Vor unserer Abreise wurden Flyer erstellt, um sie den Paketen beizulegen. Am 6. September trafen wir uns mit Zorica und Dragana Cmiljanić, einer engagierten Mitstreiterin, die übersetzte und uns während der gesamten Aktion aktiv unterstützte.

Es gab eine Liste von 56 Kindern verschiedener Altersstufen. Zorica kannte aus langjähriger Arbeit mit den – zumeist alleinerziehenden – Eltern jedes einzelne Kind persönlich. Um den Bedürfnissen jedes Kindes gerecht zu werden, arbeiteten wir mit einem kleinen erfahrenen Schreibwarengeschäft. Dieses besuchten wir am 9. September, um Einzelheiten zu besprechen. Die betroffenen Kinder setzen sich wie folgt zusammen:

• in Klasse 1 bis 4: 11 Mädchen und 8 Jungs
• in Klasse 5 bis 9: 10 Mädchen und 12 Jungs
• im Gymnasium: 9 Mädchen und 6 Jungs

Gemeinsam mit den Profis vom Schreibwarengeschäft erstellten Zorica und Dragana eine detaillierte Liste der zu bestellenden Artikel. Dabei wurde insbesondere darauf geachtet, dass für jede Altersstufe die richtigen Materialien vorlagen. Bei den Schultaschen wurde eine Mischkalkulation gefahren, denn die Schulranzen für die kleinen Schüler brauchen mehr Unterstützung im Rückenbereich und sind daher teurer. Der Durchschnittspreis eines Pakets lag am Ende bei knapp 76 €.

Die Umsetzung

Am 12. September 2025 konnten wir die Sachen im Schreibwarengeschäft abholen. Alle Schulranzen hatten ein Namensschild für das betreffende Kind. Alle Kartons waren vom Schreibwarengeschäft mit der jeweiligen Altersstufe beschriftet worden, damit wir die einzelnen Taschen mit den notwendigen Materialien bestücken konnten. Wir transportierten alle Materialien in Zoricas Lager. Dort wurden die einzelnen Taschen von uns gepackt. Bereits an diesem Tag wurden 16 der Pakete von Eltern – mit oder ohne Anwesenheit der Kinder – direkt am Lager abgeholt. Das waren alleinerziehende Mütter, Großväter für ihre Enkel und alleinerziehende Väter darunter ein Polizist und ein Taxifahrer. Wenn Kinder dabei waren, konnte man ihnen die Freude über die Schulsachen ansehen. Sie machten aber alle an sehr bescheidenen Eindruck.

Über das Wochenende hinweg (13. und 14. September) wurden weitere 20 Pakete im Lager abgeholt. Der Rest wurde direkt an die Betroffenen geliefert. Dazu fuhren wir bis zu 45 Minuten zu einer Adresse, die z.T. sehr abgelegen waren. Viele der Familien müssen jeden Euro umdrehen, das Gehalt von Alleinerziehenden reicht vorne und hinten nicht. Viele leben mit der ganzen Familie inklusive Großeltern in einer Wohnung. Daher ist es häufig schwierig, alle Herausforderungen zu bewältigen und die Lebenshaltungskosten sowie die gesamte Schulausrüstung für die Kinder zu finanzieren.

Unter den Belieferten gab es auch Fälle von Drogenabhängigkeit, institutionalisiertem Elternteil, häuslicher Gewalt und von schwerer Krankheit betroffener Kinder. Trotz all der Umstände sie die betroffenen Menschen meist sehr zurückhaltend, Hilfe von außen anzunehmen, weil sie ihr Gesicht nicht verlieren wollen. Daher war es extrem wichtig für den Erfolg des Projekts, dass Zorica als Vermittlerin und Vertrauensperson den Kontakt zu den Menschen herstellte.

Die Verteileraktion wurde am 16. September 2025 erfolgreich abgeschlossen. Alle Pakete erreichten die Kinder. Das Ziel wurde erreicht, nämlich die Eltern zu unterstützen und den Kindern ein Stück Normalität im Alltag zu geben. Das Projekt und insbesondere die Zusammenarbeit mit Zorica und Dragana ist im Ergebnis sehr gut verlaufen. Im Moment wird geprüft, ob hier weitere Aktionen stattfinden können.

Bilder

Schüler-Hilfsaktion 2025, Herceg Novi, Montenegro

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